Psychologiestunde, Thema Depressionen.
Die Anspannung, die mich schon den ganzen Tag begleitet, wird immer schlimmer. Ich sitze also da, im Unterricht und drücke meine Fingernägel immer tiefer in die Haut.
Frau B.: "Schauen Sie sich bitte diesen Fragebogen durch und überprüfen Sie, wie viele Punkte davon auf sie zutreffen, Sie müssen das auch nicht laut aussprechen, das ist nur für Sie selbst, zur Kontrolle."
In Gedanken hake ich die Punkte ab, einen nach dem anderen. Erzählt mir was neues.
Ju. dreht sich zu mir.
- "Ich hab da voll viel."
Innerlich verdrehe ich die Augen. Sie diagnostiziert sich alle paar Wochen irgendetwas neues, vor ein paar Wochen war es die ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung, und das, obwohl sie der extrovertierteste Mensch ist, den ich kenne. Sie ist immer fröhlich, der Mittelpunkt auf jeder Party und die erste, die irgendwelche Leute anspricht. Sie ist diejenige, die eine Woche lang nicht mehr mit mir redet, wenn sie erfährt, dass ich mich geschnitten habe, die mich anschnauzt mit Sätzen wie "Komm, übertreib mal nicht, Leben ist schön, setz dich auf den Arsch." wenn ich sage, dass ich überfordert bin und meine Suizidgedanken schlimmer werden.
Manchmal frage ich mich, warum ich überhaupt noch mit ihr rede.


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