Mittwoch, 05.12.2012

Ich schaue das Mädchen im Spiegel an. Sie ist hässlich, ihre Schminke läuft in feuchten, schwarzen Streifen über ihr Gesicht. Sie heult, wie ein Baby, sie zittert und schreit. Ich bin wütend, so unglaublich wütend auf dieses hässliche Etwas. Erst schreie ich sie an, immer lauter, es interessiert mich schon lange nicht mehr, was die Nachbarn von meinem allnächtlichen Geschrei halten. Als sie immer weiter heult, fange ich an zu lachen. Peinlich, armselig, dieses Häufchen Elend. Anscheinend verträgt sie die Wahrheit nicht. Sie erträgt es nicht, zu hören, wie schlecht sie ist. Mein Lachen wird immer lauter, immer wahnsinniger. Ich lache sie aus, dieses Stück Dreck. Sie faselt von Mathe, ihrer Klausur morgen, irgendwelches Zeug, was in ihrem erstickten Heulen untergeht. Was interessiert mich das? Soll sie doch heulen. Wieder muss ich lachen, als ich mich umdrehe, zu dem kleinen Schrank gehe und einen Einwegrasierer herausziehe. Innerhalb weniger Sekunden habe ich ihn auseinandergebaut und halte das kleine, glänzende Ding in der Hand. Noch ein letztes, hasserfülltes, höhnisches Lachen in Richtung des Mädchens, dann trifft Edelstahl auf Haut, Kälte auf Wärme, Stärke auf Schwäche. 
Ich lache immer noch, als ich sehe, wie dieses Miststück anfängt zu bluten. Ein hohles, kaltes Lachen. Plötzlich, ein Ziehen im Arm. Ich sehe hinunter und erschrecke, als ich merke, dass mein Arm ihr Arm ist. 
Was ist hier los?

1 Kommentar:

  1. Abartig gut geschrieben. Hatte eben das Gefühl: "So konnte ich es nie in Worte fassen, aber es trifft ins Schwarze".

    Trotzdem muss ich jetzt natürlich sagen, dass Du ganz, ganz sicher nicht so scheiße bist, wie du es beschreibst. Ich mag dich.

    und danke für die Kommentare <3

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