Sonntag, 25.11.2012

B. ist jetzt seit mehr als zwei Stunden weg.

Bis zum Hauptbahnhof sind wir noch zusammen gefahren, 40 Minuten. Wir sind eine Stunde eher gefahren, damit wir noch ein bisschen Zeit zusammen am Bahnhof und in der Stadt haben. Um 18h44 ist ihr Zug gefahren.

Die Menschen rennen um mich herum, wie im Zeitraffer, ich sitze da, am Bahnhof, und warte auf meinen Zug, der mich von diesem schrecklichen Ort wegbringt. In meinem Kopf immer wieder dieses Bild, B. im Zug, ihr herzzerreißender Blick durch die Scheibe, die uns trennt. Der Zug fährt an, ich gehe ein Stück mit, fange an zu rennen, doch er wird zu schnell. B. verschwindet mit dem Zug. 
Also sitze ich nun da, es tut so weh als wenn mir jemand ein Messer in die Brust gestochen hätte. Um irgendetwas zu tun, laufe ich durch Rossmann, ertappe mich bei den Rasierklingen stehend. Nein, schreit mein Kopf, Ja schreit der Schmerz. Ich habe keine neuen Klingen gekauft, stattdessen setze ich mich wieder in die Wartehalle, Metallica in den Ohren, Schmerzen im Herz und heiße Tränen auf den Wangen. Es ist mir egal, dass die Leute mich anstarren, dass sie reden. Ich starre auf den Boden, auf den kleinen weißen Schnipsel, der so einsam und verloren aussieht. Alles verschwimmt immer mehr, von den ganzen Tränen, die ich immer weniger zurückhalten kann. Es sieht aus, als wenn der kleine Schnipsel in einem großen schwarzen Meer schwimmt, und fast untergeht. Aus dem Augenwinkel sehe ich Menschen, die warten, die ihre Lieben abholen, die auf die Anzeigentafel schauen. Es ist wie in einem Film, wo jemand dasitzt, auf einer Bank, ganz allein, und die Menschen ohne Halt um ihn herum rennen. B. ist weg. 

Zu Hause erwartet mich mein Vater, wenig verständnisvoll, schnauzt mich wegen irgendetwas an, was in meinem Kopf nur leise ankommt. Das Brennen in der Brust übertönt alles, mit ist kalt und ich zittere. Als ich meine Zimmertür öffne, schlägt mir der Geruch von B.'s Parfum entgegen. Sofort rollt eine neue Welle Tränen heiß über meine Wangen, ich schließe die Tür ab, kuschel mich in ihre Bettwäsche und während alles in mir schreit, bleibe ich stumm. Mein Körper krümmt sich vor Schmerz, möchte am liebsten alles waschen, damit es nicht mehr nach ihr riecht, damit dieses Loch, was sie hinterlassen hat, nicht mehr so weh tut. Aber ich weiß genau, dass ich die nächsten Wochen mit ihrem Bettzeug schlafen werde, denn das ist das letzte Stück B., was mir hier noch geblieben ist.

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