Mittwoch, 22.08.2012

Tausend Gedanken im Kopf, so viele Probleme, die ich lösen muss, allein versteht sich. So vieles, auf das ich achten muss, so viele offene Fragen ohne Antwort. 
Morgen werde ich zur Beratungsstelle fahren. Ich muss über so vieles mit diesem Mann reden, aber ich weiß, dass er nicht viel Zeit für mich hat. Das Jugendamt hat B. nicht erzählen lassen, die wollen ein Gespräch mit ihren Eltern. Aber ich kenn ihre Mutter, ich weiß, wie sie die Leute vom Amt manipulieren wird, wie sie denen die nette, besorgte Mutter vorspielen wird. Und wenn sie zuhause sind, wird sie B. das Leben noch mehr zur Hölle machen. Warum hilft ihr verdammt noch mal keiner? Sie braucht jetzt Hilfe, am besten sofort! Und deswegen werde ich morgen mit dem Mann reden, vielleicht hat er noch eine Idee, vielleicht kann er noch was tun. Es ist die letzte und einzige Chance die ich noch sehe, um B. aus dieser Hölle herauszuholen. Ich weiß aber, dass er mit mir über meine Verlustängste reden wollte, über meine Probleme. Momentan ist B. aber einfach wichtiger. Denn wenn ich nichts tue, wenn das Amt nichts tut, wenn sie dort bleibt, wo sie ist, wird sie sich umbringen. Sie hat alles da, den Strick und die Tabletten. Und ich kann von hier aus nur zusehen, 400 km entfernt, und wenn ich auch nur einen Fehler mache, verliere ich sie. Dabei ist sie das einzige, was ich noch habe. Sobald die Schule wieder anfängt, kommen neue Probleme. Und die Zeit bis dahin vergeht viel zu schnell...
Bleibt auch noch das Problem mit dem Geld. Morgen werde ich wieder ein Zugticket kaufen, damit ich am 31. zu meiner Freundin fahren kann. Wieder fast 70 € weg. Dann will mein Dad auch noch Geld von mir haben, für den iPod, obwohl meine Mutter eigentlich einen großen Teil davon bezahlen müsste, schließlich hat sie damals das Geld von der Versicherung bekommen, als der alte kaputt gegangen ist. Aber sie tut, als wüsste sie von nichts. Macht also nochmal 60 € zusätzlich zu den 30, die ich eigentlich dafür hätte bezahlen müssen. Der Witz an der Sache ist, dass ich das Geld gar nicht habe. Haha. Und dann kommt dazu, dass B. von ihren Eltern kein Taschengeld mehr bekommt und noch dazu ihr Essen, ihre Friseurbesuche, alles, was eben so anfällt, selbst bezahlen muss. Das bedeutet für unsere Wochenenden, dass wir kaum Geld für Essen haben, und das Hotel sowieso nicht mehr bezahlen können. Also müssen wir dann irgendwelche Leute finden, bei denen ich übernachten kann, weil ich sonst auf der nächsten Parkbank schlafen kann. Es reicht einfach vorne und hinten nicht...
Und dann dieses Chaos in mir drin. Ich weiß nicht mehr, wer ich bin, was ich will, oder wo ich hinwill. Die Grenzen zwischen Realität und Vorstellung verschwimmen immer mehr, ich weiß nicht mehr, was echt ist und was nicht. 

Das Licht scheint so hell, viel zu hell, unnatürlich hell. Es blendet mich, es tut weh in den Augen. Alles um mich herum macht mir Angst, es scheint alles so verändert, und doch ist es echt. Was ist das für ein Scheiß? Dieses Zimmer, viel zu warm, und doch ist es eiskalt in mir drin. Ich fühle mich eingesperrt, und gleichzeitig ist das ganze Haus viel zu groß. Und ich bin allein hier.

Ich fühle mich überfordert, weil ich nicht weiß, wie ich ihr helfen kann. Ich fühle mich hilflos, weil ich sie nicht davon abhalten könnte, wenn sie sich entscheiden würde, zu gehen. Ich weiß nicht, was los ist, ich fühle so wenig und doch so viel. Ich bin einfach schwach. Viel zu schwach.

1 Kommentar:

  1. nein, schwach bist du nicht. im gegenteil. nur momentan hast du wirklich viele baustellen in deinem leben, die schwer zu bewältigen sind.
    dass das jugendamt mit den eltern sprechen möchte, verstehe ich nicht. wie alt ist B.?
    hat B. irgend eine psychiatrische diagnose? dann könnte sie nämlich probieren, ob sie einen platz im ambulant betreuten wohnen bekommt. das bietet die jugendhilfe von sozialen einrichtungen an.
    da ich selber in einer sozialen einrichtung arbeite, könnte ich mal bei unserer jugendhilfe nachfragen, was die genauen voraussetzungen sind und wie das abläuft. was meinst du dazu?


    halt die ohren steif. ich hoffe, das gespräch mit dem mann verläuft gut.

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