Ich fühle mich verdammt beschissen. Als würde ich auf einem Drahtseil tanzen, ohne Sicherung und doppelten Boden. Völlig ohne Halt.
Bin heute kurz bei meiner Mutter gewesen, weil mein Bruder mich zum Geburtstags-Kuchenessen eingeladen hat. Ich hab mich gefühlt wie in einem Käfig, bin ihr ausgewichen so gut ich konnte. Es kamen genau zwei Sätze von ihr. Ein angespanntes, extrem angepisstes "Hallo", dessen eigentliche Bedeutung "Kommst hier einfach so her und kannst nicht mal Hallo sagen, was ist bloß aus dir geworden?!" gewesen wäre, und ein spitzes "Du bist dünn geworden." Haha, sicherlich nicht, ich bin nicht mehr so fett wie vorher, aber dünn ganz bestimmt nicht. Wenigstens konnte ich schnell wieder weg, was meinem Bruder aber offensichtlich ziemlich wehgetan hat, weil er es auf sich bezogen hat.
Zwischen den Stühlen, wieder einmal.
Nervenzusammenbruch gehabt wegen einem Biovortrag, den ich morgen halten muss, zu einem Thema, das ich nicht mal im Ansatz verstehe.
Und dann die Sache mit Three Days Grace. Es hört sich für euch wahrscheinlich lächerlich an, aber es tut weh, sehr weh. Musik ist etwas, wo ich mein ganzes Herz und meine ganze Seele reinlege. Die Band, oder eher die Stimme und somit der Sänger, war für mich wie ein alter Freund, wie ein Arm, der sich um dich legt, wenn dir kalt ist, wie eine Hand, die dir die Tränen aus dem Gesicht wischt. Es tut unbeschreiblich weh, das zerfallen zu sehen.
Ich will schlafen, alles vergessen, auch das, was durch diese Sachen wieder aufgewühlt wurde, die Vergangenheit, die wieder präsent wird, all das, was ich in den letzten Wochen so erfolgreich ausgeblendet und verdrängt habe. Es ist, als ob ich eine Scherbe im Herzen hab, die vorher durch Betäubung nicht zu spüren war, und jetzt schlimmer wehtut als je zuvor.
Ich habe heute das erste Mal seit langem wieder geweint.


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