Mittwoch, 03.10.2012

Ich sitze auf dem Badewannenrand und trockne mir kopfüber meine nassen Haare. Schon während ich geduscht habe, war ich extrem angespannt, aber je dunkler es draußen wird, desto schlimmer wird es. Habe ich die Tür abgeschlossen? Ich stehe auf, um nachzusehen, zur Sicherheit. Sie ist zu. Zweimal umgedreht, wie immer. Also setzte ich mich wieder hin. Während ich den Fön anschalte, schaue ich flüchtig in den Badezimmerspiegel. Was ich da sehe, lässt mich erstarren, mir wird heiß und schwindelig und meine Gedanken überschlagen sich. Wie komme ich am schnellsten hier raus? Hat sie mich schon gesehen? Hilfe, ich brauche Hilfe. Wieso habe ich das Telefon nicht mitgenommen? Ich muss jetzt aufstehen, so schnell wie möglich, aufschließen und dann rennen. Aber ich bleibe sitzen, bin wie versteinert. Mir wird übel, und schwarze Punkte tanzen vor meinen Augen. Mein Puls rast, mein Herz fühlt sich an, als würde es gleich aus meiner Brust springen. Und dann wird alles schwarz.

Als ich die Augen aufschlage, liege ich auf dem Boden. Ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass ich nur ein paar Sekunden ohnmächtig war. Dann fällt mir ein, was ich eben gesehen habe. Dieses Mädchen im Spiegel, diese langen, dunklen Haare, dieses blasse Gesicht. Mein Herz schlägt wieder schneller, plötzlich laufen einige Tränen meine Wangen herunter. Beruhige dich! Das war nicht Samara (das Mädchen von The Ring), das warst du selbst. Wenn deine Haare nass sind, werden sie genauso dunkel wie ihre. Also keine Panik! Leise wiederhole ich diese Sätze, immer wieder, wie einen Schwur, bis ich mir zumindest ein bisschen glaube. Dann nehme ich den Fön wieder in die Hand und trockne meine Haare zuende, schließe die Tür auf und verlasse das Badezimmer so schnell wie ich kann, ohne noch ein einziges Mal in den Spiegel geschaut zu haben.
Zurück in meinem Zimmer schaue ich als erstes hinter die Tür, dann schließe ich sie und drehe den Schlüssel zweimal um. Als nächstes schaue ich unter mein Bett, dann kontrolliere ich den Spalt zwischen dem Schrank und der Wand. Nichts. Ich atme tief ein, setze mich wieder auf mein Bett und merke, wie die Anspannung weniger wird. Ein Blick zur Tür. Durch das Schlüsselloch scheint Licht aus dem Flur. Alles gut. Niemand steht vor der Tür, sonst würde man kein Licht sehen. Du lebst noch. Aber nächstes Mal nimmst du ein Telefon mit, und ein Messer gleich dazu.

Doch die Angst bleibt, wie eine kalte Hand, die meinen Arm fest umklammert.

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