Ich habe sie wiedergefunden. Ich habe C. wiedergefunden.
C. habe ich 2004 kennengelernt, im Urlaub, danach haben wir geschrieben, Briefe. Ja, richtige, "altmodische" Briefe. Ich hatte kein Internet, sie hatte keins, und dann bleib es bei wunderschönen Briefen. Jahrelang haben wir geschrieben, sie hat mir von ihrer ganzen harten Zeit erzählt, als sie nicht zu ihren Punk-Freunden durfte, als sie einsam und depressiv war, als sie angefangen hat, sich die Arme aufzuscheiden, sich fast jeden Tag hemmungslos zu betrinken, als sie ständig irgendwelche Affären hatte, hier ein Weib flachgelegt hat, dort mit einem Typen in die Kiste gesprungen ist. Sie hat mir Briefe aus der Psychiatrie geschickt, nach ihrem Suizidversuch. Und irgendwann hab ich dann einfach nicht mehr zurückgeschrieben, nach Weihnachten, Zumindest ist es laut den Briefen so, die ich hier vor mir liegen habe. Ich habe einfach keine Erinnerung mehr an das, was passiert ist. Ich hab sie im Stich gelassen als es ihr am Schlechtesten ging. Ich war nicht für sie da, als sie mich brauchte. Nicht immer, nicht genug. Und das werde ich mir nie verzeihen.
Auf jeden Fall habe ich sie gestern gefunden. Bei Facebook. Ich hab fast zwei Stunden gebraucht um eine Nachricht zu formulieren. Heute kam dann die Antwort. Nur dass mich das kein Stück weitergebracht hat. Aber lest selbst:
Hallo.
Natürlich weiß ich wer du bist. Ich wusste es sofort, als ich deinen Namen las.
Nun weiß ich nicht was ich schreiben soll. Seltsam, dass du noch so viele Briefe besitzt, Zeugnisse von Dingen, die ich zum Großteil gar nicht mehr wiedergeben könnte. Für die noch vorhandenen Ansätze schäme ich mich.
Keine Ahnung welches der letzte Brief war. Von wem er kam, was darin stand, alles so lange her, so entfernt und fremd als wäre das gar nicht mein Leben.
Jetzt habe ich das Gefühl bereits alles gesagt zu haben. Diese paar Zeilen als Antwort.. Aber ich weiß nicht was ich sagen soll, sagen kann, ich hoffe du verstehst was ich meine. Nicht ohne Zusammenhang irgendetwas zu schreiben, nicht Jahre in einer Mail erklären können, die an eine Person gerichtet ist, die irgendwann mal so ziemlich den größten Platz im eigenen Leben hatte.
Ich weiß gerade gar nicht was du alles über mich weißt. Was ich alles schrieb.
Ich hoffe diese Mail war nun nicht enttäuschend. Oder irgendetwas.
Danke, dass du dich gemeldet hast.
C.
Es macht mir Angst. Ganz ehrlich, ich weiß zwar nicht, ob sie sich einfach verändert hat. Vielleicht bilde ich mir das auch einfach nur ein, aber ich habe das Gefühl, dass sie komplett neben sich steht, schon allein dieser Satz "...alles so lange her, so entfernt und fremd, als wäre das gar nicht mein Leben." Ich muss ganz ehrlich sagen, es beunruhigt mich ziemlich. Ich habe ihr erstmal zurückgeschrieben, hoffe, dass sie irgendwie weiter mit mir schreiben will, denn ich habe durch diese paar Zeilen schon gemerkt, wie sehr sie mir gefehlt hat. Es mag vielleicht albern klingen, aber ich habe die letzten Monate so intensiv nach ihr gesucht. Und dann diese Antwort, die mich nur noch mehr verwirrt. Ist es am Ende meine Schuld, wenn sie wirklich so weggetreten ist, meine Schuld, weil ich sie fallen gelassen habe, meine Schuld, weil ich nicht einmal mehr weiß, wieso, meine Schuld, weil ich nicht da war? Meine Schuld?
Ich hab keine Ahnung, ich bin völlig durcheinander und weiß überhaupt nicht, was ich von der ganzen Geschichte halten soll. Falls jemand von euch eine Idee bezüglich der Nachricht hat, ich würde mich wirklich sehr über ein Kommentar freuen.
Ich kann nur soviel sagen: Ich fühle mich gerade komplett überrollt und überfordet. Gute Nacht.

das ist nicht deine schuld.
AntwortenLöschenich würde einfach wieder ein bisschen den kontakt aufbauen und sie neu kennen lernen.
Danke :) Ich bin gerade dabei, ein bisschen klappt es, aber ich hab irgendwie ein komisches Gefühl dabei... :(
LöschenAlles Liebe, Cloé ♥