Samstag, 16.06.2012

Kennt ihr das, wenn man zwischen ganz vielen Leuten steht, und sich einfach völlig fehl am Platz fühlt? Wenn man das Gefühl hat, man ist völlig allein und gehört hier einfach nicht hin?
Gestern habe ich den ganze Tag überlegt, ob ich den Abend mit B. am Telefon verbringen sollte, oder lieber zur Mallorca-Party am See gehen sollte. Und irgendwie schien es dann wie eine Entscheidung zwischen B. und R. Entweder das Gleiche wie jeden Freitag, und mich dabei wahrscheinlich noch anmeckern lassen oder ein bisschen Bestätigung und 'n Tequila Shot. Den ganzen Scheiß ganz unauffällig im Alkohol ertränken. Ich bin dageblieben - erstmal zumindest. Schließlich ist sie heute schon wieder weg, auf diesem Geburtstag, und wir hatten die letzten Tage echt wenig Zeit zusammen. Irgendwann ging's dann trotzdem wieder los. Jeden Satz von mir hat sie als Riesen-Beleidigung gesehen, alles war falsch und irgendwann hab ich vor lauter Frustration angefangen, rumzuschreien. Dann hat sie das Telefongespräch beendet. 
Reicht ja wohl, was bildet sie sich eigentlich ein? Wenn sie wüsste... Wenn sie mir einfach mal zugehört hätte, dann würde sie das nicht machen! Scheiße, ich halt das hier nicht mehr aus, ich muss erstmal weg! Also bin ich duschen gegangen und hab mich fertig gemacht für die Mallorca-Party. Dass es schon etwas später war, war ja nicht schlimm. Das Erste was ich gesehen hab, war ein Typ aus meinem LK, der sturzbesoffen in den See gekotzt hat. Na super... Ich hab mich dann auf den Weg durch die Menge gemacht und schließlich ein paar Leute um ein Lagerfeuer sitzen sehen, mit 'nem Haufen leerer Flaschen neben sich und einigen vollen in der Hand. "Süße!", brüllt mir auf einmal eine Stimme ins Ohr. Ich zucke zusammen und drehe mich um. S. steht da, nein, eigentlich schwankt sie ziemlich. Sie drückt mir einen Kuss auf die Wange und ihre Wodkaflasche in die Hand. "Bist du grad erst gekommen?" Ich bejahe und setze mich zu den anderen. Wie lustig. Die tun alle so, als wärst du ihre beste Freundin. Als würden sie dich mögen. HAHA. Tun sie nicht, bild dir nichts ein. Und selbst wenn, mit solchen Leuten kannst du doch eh nichts anfangen. Wie auch immer. Wir sitzen dann halt so da und schütten hochprozentiges Zeug in uns rein, die anderen lachen und ich mache mir Vorwürfe. Was willst du hier? Diese Leute interessiert es nicht, ob du da bist oder nicht, B. dagegen schon. Wieso lässt du sie einfach allein? Und was ist, wenn R. gleich kommt und genauso hacke ist wie der Rest? Wenn was passiert? - Haha, nein das wird es nicht. So toll bin ich nicht, er will mich eh nicht. Trotzdem suche ich mit verschommenem Blick den Platz rund um den See ab. Er ist nicht da. Zumindest sehe ich ihn nicht. Vielleicht liegt's ja am Alkohol. Ich frage S.: "Du, sag mal, wollte R. nicht auch kommen?" - "Nee, der liegt in seim' Bett un pennt, dem geh's nich gut."
Okey, umso besser. Ich bin dann noch eine Weile geblieben, bis die Leute so dicht waren, dass ich davon aggressiv geworden bin. Und bevor ich nachher jemanden geschlagen hätte, bin ich abgehauen, leicht torkelnd bis zur Bushaltestelle. Eine halbe Stunde musste ich warten, alleine, mit meiner Kippe in der Hand, in der Dunkelheit. Im Bus hab' ich dann angefangen zu heulen, richtig erbärmlich. War aber eh keiner im Bus, außer 'ner alten Oma, die wahrscheinlich einfach schwerhörig war. 
Als ich einigermaßen nüchtern zuhause ankam, war mein Dad schon im Bett. Hab' dann die Schminke und die Tränen abgewischt und bin ins Bett. Noch kurz mit B. telefoniert, dann sind wir zusammen am Telefon eingeschlafen.
Im Traum war es Montag, 7h10, ich stand am Bahnhof und das Leuchtschild hat geblinkt. "Vorsicht, Güterverkehr. Schnelle Durchfahrt." Es ist ganz einfach. Augen schließen und fallen lassen. - Das Pfeifen vom Zug, ganz nah. Dann ein Schmerz, der den ganzen Körper durchfährt. Und schließlich die Stille. - Es ist zuende.

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