Montag, 25.06.2012

Fahr schneller, du Schlampe! 
Ich trete in die Pedalen, das Fahrrad wird immer schneller. Dann schließe ich meine Augen und spüre den Wind in den Haaren und das Adrenalin in meinen Venen. Ich fahre den Abhang hinunter, immer schneller, trotzdem öffne ich die Augen nicht. Der Lärm der Autos, viel zu weit weg. Als das Fahrrad wieder langsamer wird, wage ich einen Blick. Nichts. Absolut gar nichts.  
Haha, du lebst noch.


Ich kann das nicht mehr lange. Es war schön bei B., wunderschön. Aber diese Rückfahrt, vier Stunden, und mit jeder Minute bin ich weiter weg von ihr. Es wird immer schwieriger, das hinzukriegen. Jedes Mal wird es schlimmer, jedes Mal brauche ich länger, um mich danach wieder zu beruhigen. Vor zwei Wochen hab ich eine halbe Stunde lang geheult, keine Luft mehr gekriegt, und mich deswegen nicht mal getraut, mir einen Platz im Zug zu suchen. Die Leute hätten mich ja doch nur komisch angeguckt. Also sitze ich an der Tür, mitten am Gang, da wo mich keiner sieht. Gestern war es eine Stunde, die ich da saß und einfach keine Luft mehr bekommen hab. Der Fahrkartentyp hat mich nicht mal kontrolliert, aus Mitleid. Haha. Peinlich. 
Und als ich mich wieder beruhigt habe, kommt die Angst. Die letzte Woche war echt beschissen. Sie war ständig weg, bei irgendwelchen Freunden, für jeden hatte sie Zeit, und ich saß zuhause, alleine. Ja, ich hab einfach niemanden außer ihr. Das Haus ist den ganzen Tag leer, mein Dad ist nicht da, mein Bruder auch nicht und Freunde - gibt es nicht. Noch peinlicher. Dann sitze ich also den ganzen Tag hier, immer zwischen weinen und hysterisch lachen, ab und zu auf die Terrasse und eine rauchen, dann wieder rein und irgendwas kaputt schlagen. 
Obwohl - wozu beschweren? Ich hab's doch eh nicht besser verdient. Wahrscheinlich sind die anderen einfach wichtiger. Bestimmt geht es denen viel schlechter als mir. Wie egoistisch ich bin. 
Ach, Scheiße. Ich bin einfach zu schwach.

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